Liebe Vereinsmitglieder, Luch-Freunde und Förderer unserer Vereinsarbeit,

das Wichtigste vorweg: Wir wünschen Ihnen und Ihren Angehörigen für das Jahr 2021 nur das Beste, Freude in und an unserer schönen Natur sowie vor allem Gesundheit!

Aus den bekannten Gründen und den damit einhergehenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens ist es seit unserem letzten Rundbrief etwas ruhiger um unseren Verein geworden. Geplante Veranstaltungen mussten leider abgesagt werden.

Die im vergangenen Jahr erfolgreich gestartete Naturfoto-Vortragsreihe konnte nicht fortgesetzt werden. Wir werden den Vortrag über unseren Kranich-Rastplatz sowie die beiden Reiseberichte über das Donaudelta und den Naturpark S’Albufera auf Mallorca zu einem passenden Zeitpunkt erneut aufs Programm setzen.

Auch die für Februar 2021 anvisierte Mitgliederversammlung müssen wir noch einmal verschieben. Neues Ziel: Samstag, 19. Juni 2021, 10:00 Uhr beim Heimatverein Rüthnick (Hauptstraße 5) mit Vortrag, Berichten über die Vereinsjahre 2019 und 2020 sowie Wahl des neuen Vorstandes.

Was uns des Weiteren an- und umtreibt:

Anfang September starteten wir den Kalenderverkauf. Ein besonderer Dank gilt Gaby Dallinger-Stiller, die die vielen Vertriebsstellen in der Region betreut hat sowie Klaus Michalek, der den Versand der online-Bestellungen übernahm. Auch dank der engagierten Verkäuferinnen und Verkäufer ist es gelungen, die gesamte Auflage restlos an den Mann und die Frau zu bringen! Wir wünschen viel Freude mit unserem Kalender.

Viel Zeit, sich auf diesem Erfolg auszuruhen, bleibt nicht, denn bereits ab März 2021 befasst sich die Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit mit der Motivauswahl für die nächste Auflage. Falls Ihnen stimmungsvolle Aufnahmen im Rhinluch gelungen sind, die sich für einen Abdruck im A4-Format eignen, freuen wir uns, wenn Sie uns diese zur Verfügung stellen. Und noch etwas: Bitte schließen Sie ein Kalender-Abo bei uns ab! So ließe sich der Bedarf besser abschätzen (wir wollen auf jeden Fall „Reste“ vermeiden) – und Sie erhalten rechtzeitig Ihre gewünschten Exemplare per Post. Sie erreichen uns dazu über folg. Email-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Auch der Vertrieb unseres Naturfotobuches „Im Oberen Rhinluch – Unser schönes Naturerbe“ verläuft erfreulich. Von der 2. Auflage sind noch ca. 350 Exemplare vorhanden. Bestellungen nehmen wir unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! entgegen.

Herbstrast der Kraniche und Gänse

Überstaute Flächen in der Landschaft, sog. Blänken, sind nach drei trockenen Jahren alles andere als selbstverständlich. Es ist der Zusammenarbeit der Naturschutzstation Rhinluch mit der Wasserbehörde, dem Wasser- und Bodenverband sowie im Gebiet tätigen Landwirten zu verdanken, dass die Schlafplatzflächen den Zugvögeln ab September zur Verfügung standen. Des Weiteren ist das Engagement der Karsten-Nendel-Stiftung sowie des Vogelschutzkomitees hervorzuheben. Beide sorgten für geeignete Einstandsflächen im Linumer Teichgebiet.

Vom 22. September bis 10. November 2020 fanden unter Federführung unseres Vereins die Kranichzählungen statt. Dazu wurden jeden Dienstagmorgen 13 Zählsektoren von einer motivierten Gruppe „freiwilliger Frühaufsteher“ besetzt, zu der auch Praktikanten und Teilnehmende des Bundesfreiwilligendienstes aus der NABU Storchenschmiede und der Naturschutzstation Rhinluch gehörten.

Die ausfliegenden Vögel wurden innerhalb der zwei Stunden nach Sonnenaufgang erfasst. Außer am 13. Oktober – da versperrte uns leider hartnäckiger Nebel die Sicht. Ausgerechnet an jenem Morgen, an dem die Beobachtungen des Vortages die Vermutung nahelegten, dass wir das Maximum an rastenden Kranichen hätten verzeichnen können. Am 27. Oktober konnte der höchste Wert mit 59.700 Kranichen ermittelt werden.

Viele Besucher kamen ins Rhin-/Havelluch und direkt nach Linum, um die „Vögel des Glücks“ auf den Äsungsflächen sowie beim abendlichen Einflug zu beobachten. Dank der Besucher-lenkung durch die Gemeinde Fehrbellin sowie dem Angebot zahlreicher Führungen und Vorträge von verschiedenen Einrichtungen kam es zu keinen nennenswerten Störungen.

Oberes Rhinluch und Klimaschutz

In einem Niedermoor zersetzt sich der Torf überall dort, wo er nicht unter Luftabschluss liegt. Das tut er bei uns beinahe flächendeckend. Die Klimagase Methan, Lachgas und CO2 entweichen und heizen die Atmosphäre auf. Um diese Tatsache stärker ins Blickfeld zu rücken und den Umkehrprozess mit einzuleiten, starteten wir im Frühjahr 2020 ein Projekt, welches im Rahmen der Zusammenarbeitsrichtlinie gefördert wird. Innerhalb der knapp dreijährigen Laufzeit führen wir „Feldtage“ zu moorschonender Landnutzung, zum Schutz von Wiesenbrütern und Amphibien-Lebensräumen durch. Gemeinsam mit im Luch wirtschaftenden Betrieben wollen wir nach Möglichkeiten suchen, wie und wo sog. „Überschusswasser“ in der Landschaft gehalten werden kann und in welchen Bereichen langfristige Wasserspiegel-anhebungen möglich sind, um der weiteren Zersetzung entgegen zu wirken.

Landschaftspflege-Einsätze

In Kürze erfolgt die Schilfmahd in unserem „Unkenteich“ in Linum, um die Fläche als Laich- und Brutgewässer zu erhalten. Trotz technischer Unterstützung durch Landwirt Sebastian Petri werden zusätzlich fleißige Hände benötigt, die das geschnittene Schilf zusammenharken und aus dem Teich heraus transportieren. Wer mit anpacken möchte, melde sich bitte beim Vorstand.

Ein typisches Merkmal im Oberen Rhinluch sind die Windschutzstreifen, die vor 50-60 Jahren entlang der Gräben unter anderem mit Hybridpappeln bepflanzt wurden. Die inzwischen altersschwachen Bäume fallen vielerorts zusammen oder sind windbruchgefährdet und werden aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt. Deshalb beabsichtigt unser Verein, im NSG Oberes Rhinluch einen neuen Gehölzstreifen aus standortgerechten, heimischen Arten anzulegen, so dass Erosion und Austrocknung vermindert werden und neue Lebensräume entstehen. Die Länge der Pflanzung ist abhängig davon, in welcher Höhe uns Fördermittel – zusätzlich zu geplanten Eigenmitteln – gewährt werden.

„Vereinsfördernde Mittel“ sind auch Ihre Mitgliedsbeiträge und Spenden. Dabei ist es unerheblich, ob Sie uns finanziell und/oder mit Tatendrang und neuen Ideen zur Seite stehen – jede Form der Unterstützung ist willkommen. Wir möchten Ihnen an dieser Stelle ganz herzlich „Danke“ sagen!
Die Bescheinigungen für im Jahr 2020 geleistete Spendenbeträge ab 50,00 € gehen Ihnen per Post zu. Für Spenden unterhalb dieses Betrages nutzen Sie gegenüber der Finanzbehörde den Kontoauszug bzw. die ausgestellte Quittung. Wir würden uns zudem freuen, wenn Sie den Mitgliedsbeitrag des laufenden Jahres bis Mitte März überweisen
(Mittelbrandenburgische Sparkasse, IBAN: DE 59 1605 0000 3740 9258 40, Inhaber: LFV Oberes Rhinluch e.V.).

 
Zurück zur Natur. Helga Müller-Wensky nimmt Sie im Folgenden mit auf einen Spaziergang.

Die Havelwiesen

Zu einem festen Bestandteil unseres jährlichen Veranstaltungsprogramms gehört die im April durchgeführte Havelwiesen-Wanderung. Ob sie in diesem Jahr stattfinden kann…?

Seit vielen Jahren besteht ein enger Bezug zwischen Landschaftsförderverein und diesem kleinen Naturschutzgebiet vor den Toren der Stadt Hennigsdorf. Neben Pflegearbeiten im Gebiet noch unter Anleitung unseres unvergessenen Ekkehard Hinke führt Karl-Heinz Sass heute das Vogel-Monitoring weiter fort. In unserem „Ticker zum Jahreswechsel“ hatten wir Sie auf dieses Kleinod mittels eines Films aufmerksam gemacht - Kurzfilm - "In Kinderstuben ist es selten still".
Heute möchten wir Sie gerne zu einem Spaziergang dorthin mitnehmen. Wir starten an der Zufahrt zum Wasserwerk Stolpe gegenüber von Hennigsdorf. Auf geht´s …



Zur Geschichte ….
Vor gut hundert Jahren zählte die Gemeinde Pankow im Landkreis Niederbarnim zu den Vororten Berlins. Eine ausreichende Wasserversorgung für die wachsende Bevölkerung gestaltete sich zunehmend schwieriger. So kauften die Pankower Stadtväter 1908 ein drei Kilometer langes Havel-Uferstück gegenüber von Hennigsdorf. Hier bauten sie ihr neues Gemeindewasserwerk. Die Eröffnung fand am 29. Juli 1911 statt. Mit der Eingemeindung Pankows 1920 zu Berlin wurde der Standort des Wasserwerkes Berliner Stadtgebiet. Das Werk übernahm die Wasserversorgung der nördlichen Bezirke. Heute erhalten der Norden Berlins und Gemeinden im Umland ihr Trinkwasser aus Stolpe. Inzwischen gibt es eine moderne Anlage. Die Ruine des alten Wasserwerkes steht unter Denkmalschutz.

 

Zur Technik ….

Regenwasser versickert auf den Wiesen am Havelufer und wird während der Bodenpassage natürlich gereinigt.  Pumpen befördern das Grundwasser zum Werk. Hier wird es „belüftet“ und in Filtern von Eisen und Mangan befreit. Bei anhaltender Trockenheit wird zusätzlich über Wehre Wasser aus der kanalisierten Havel, dem Oder-Havel-Kanal, zugeführt. Die vernässten Wiesen werden als Grundwasseranreicherungsflächen bezeichnet.



Zur Natur ….

Durch dichtes Schilf und Gestrüpp glitzern die Wasserflächen. Dieser Bereich ist als Trinkwasserschutzgebiet eingezäunt. Es entstand ein kleines Naturparadies für verschiedene Vogelarten. Das angrenzende Waldgebiet der Stolper Heide mit seinen Totholzbeständen und den hohen Wipfeln eines Mischwaldes ergänzt das Schutzgebiet. Die bizarren Formen des Totholzes regen nicht nur die Phantasie an, sondern bieten Igeln und Mäusen sowie Käfern und anderen Insekten Unterschlupf.


Im Frühjahr nisten Kraniche, Höckerschwäne, Graugänse sowie Haubentaucher und Blässrallen im dichten Schilfgürtel. Limikolen nutzen den flachen Wasserstand für eine kurze Rast auf dem Durchzug in ferne Brutgebiete. In den Baumkronen zwitschern Meisen und Finken. Auch das Hämmern des Buntspechtes tönt durch das Revier. Eifrig zimmert er an seiner Bruthöhle. Im Frühsommer ist auf dem Wasser der erste Nachwuchs zu beobachten.
Im Herbst und Winter nutzen zahlreiche Kraniche die Wasserflächen als Schlafplatz. Silber- und Graureiher stelzen umher auf der Suche nach Beute. Dazwischen schwimmen Grau- und Kanadagänse, Enten und Rallen. Der Eisvogel jagt von seinem Ansitz nach kleinen Fischen. Auch in den Baumwipfeln und Sträuchern tummeln sich Wintergäste. Meisen, Finken, Kleiber sowie der Eichelhäher suchen nach Früchten und Samen.
Was zu einem rein technischen Zweck konzipiert wurde, bietet zahlreichen Vogelarten zu jeder Jahreszeit einen geschützten Lebensraum.



Mit dieser wundervollen „Gedanken-Wanderung“ sind wir nun am Ende des Rundbriefes angelangt und hoffen, dass Sie jetzt so richtig Lust auf Mehr bekommen haben. Also: Raus in die echte Natur und rein in das wohltuende Bad für alle Sinne!

Im Namen des Vorstandes sendet Ihnen die besten Grüße

Vorsitzender

Sebastian Partzsch

 

 

 LFV Rundbrief im 1. Halbjahr 2021 - Download als PDF